Wichtiger Hinweis – der Artikel ist auf dem Stand von 2017 🙂 In den Kommentaren gibt es ein paar Aktualisierungen des Ablaufs, schaut sie euch auch an.

Außerdem hatte ich eine Mail von jemand anderem bekommen, der diesen Prozess vor Kurzem (September 2020) durchlaufen hat, aber ich warte noch auf seine Infos dazu, wie der Prozess aktuell abläuft.

Wenn ihr trotzdem lesen wollt, wie der Prozess 2017 aussah, könnt ihr den ganzen Artikel lesen.

Wenn nicht – springt direkt zu den Kommentaren, um zu sehen, was sich geändert hat und mit welchen neuen Kopfschmerzen die Leute zu kämpfen haben.

Originalartikel von 2017

TL;DR; und die konkreten Schritte stehen am Ende des Posts 🙂

Rund um Weihnachten bin ich auf ein ziemlich gutes Angebot gestoßen – eine Transcend 480-GB-SSD für 86 $ – Treffer! Das Problem: Sie kam von Amazon.com, was bedeutet, dass sie vom Zoll aufgehalten werden würde.

Der Preis und die Gier haben gewonnen, und so bestellte ich sie am 28. Dezember, und am 3. Januar war sie schon in Sofia. Lieferung mit DHL, alles super. Die DHL-Mitarbeiter erklärten mir, dass sie eine Vollmacht, eine Beschreibung der Ware auf Bulgarisch und die begehrte EORI-Nummer brauchen.

Die ersten beiden Dinge sind trivial. Ein Besuch beim Notar und eine Zeile Freitext.

Die EORI-Nummer war dagegen eine ganz andere Geschichte.

Wie jeder weiß, der schon mal mit dem Zoll zu tun hatte, gibt es zwei Arten von EORI-Nummern – dauerhafte und temporäre. Die temporäre bekommt man sofort, und sie gilt für eine einzelne Sendung. Braucht man sie für künftige Sendungen, muss man jedes Mal eine neue besorgen.

Von Bekannten wusste ich, dass man die dauerhafte EORI-Nummer kostenlos über das Online-System des Zolls bekommt. DHL wollte dagegen einen gewissen Betrag dafür, eine zu besorgen. Ich habe Vertrauen in elektronische Systeme (wie naiv von mir) und beschloss, ein bisschen Geld zu sparen.

Am Nachmittag des 3. setzte ich mich hin und fing an, mich zu fragen, wie das Ganze funktioniert und wie genau ich eine EORI-Nummer „registrieren“ soll.

Das elektronische Zollportal (ecustoms.bg) ist nutzlos, wenn man es direkt aufruft. Warum? Weil man dort schon registriert sein muss. Ich wiederhole – um darauf zuzugreifen, muss man dort bereits registriert sein. Wie man sich registrieren soll, wenn man nicht registriert ist, bleibt mir ein Rätsel. Das andere, kleinere Drama ist, dass man eine elektronische Signatur braucht, um überhaupt hineinzukommen.

So weit, so gut (nicht). Ich öffnete Google und begann, Zaubersprüche zu wirken, um herauszufinden, wie ich den begehrten Antrag stellen kann. Ein paar Suchen später stoße ich auf folgende Seite: http://ecustoms.bg/eportal/public/Controler?control=UpdateForm&doc\_def\_id=24&row\_id=1&param\_selector=4

Screen Shot 2017-01-06 at 11.13.28.png

So weit, so gut, ich lese den Text, erkenne mit Mühe den versteckten Link auf „hier“, klicke und … nichts. Der Link führt mich zu einem nicht funktionierenden System – https://ecustoms.bg:18443/eportal/servlet/Controler?control=ReaderForm&doc\_def\_id=3&row\_id=5

Eine Weile murmele ich allerlei Zaubersprüche und hoffe, dass das nicht eines dieser Online-Systeme ist, die nur werktags von 9 bis 17 Uhr laufen, aber ich gebe nicht auf und mache weiter.

Wieder Zaubersprüche bei Google, und nach ein paar erfolglosen Versuchen lande ich durch einen riesigen Zufall auf: https://eori.customs.bg:8443/. Es folgen Überraschung, Staunen, Feiertagsstimmung usw.

Schnell stecke ich die elektronische Signatur ein und fange fieberhaft an, die Oberfläche zu erkunden, die aus insgesamt 4 Buttons besteht, von denen zwei Beenden und einer Aktualisieren heißen. Der letzte Button war etwas in der Art von „Registrierung“, aber weil man ihn nach einer einmal durchgeführten Registrierung nicht mehr sieht, kann ich euch nicht genau sagen, was darauf stand.

Klick, es erscheint ein Formular mit mehreren verschiedenen Feldtypen und irgendwelchen Codes darauf. Ich füllte die aus, bei denen ich wusste, worum es geht, aber die anderen waren terra incognita. Manche waren fett, andere nicht, aber es war nicht klar, welche Pflichtfelder sind und welche nicht.

Zurück zu Google. Zaubersprüche – nichts. Schließlich beschloss ich, nach konkreten Formulierungen aus den Feldern zu suchen, und durch Zufall landete ich auf http://ecustoms.bg/eportal/public/DocumentViewer?row_id=265, was sich als die Verordnung zur Einrichtung der EORI-BG-Registrierung entpuppte. Wie schön. Statt ein paar Popups mit einer kurzen Beschreibung des Feldes muss man in Verordnungen und Gesetzen wühlen, um ein Formular auszufüllen. C’est la vie, oder auf Bulgarisch – so läuft das hier.

Eine Verordnung hält mich nicht auf. Ich überfliege sie und gelange ganz nach unten, wo ich mehrere Beispielformulare sehe, die für die Papierversion des Antrags verwendet werden. Ich fülle mein Formular fertig aus, speichere, unterschreibe mit der elektronischen Signatur und fange an zu hoffen.

Beginn des Prozesses gegen 18 Uhr, Ende um 21:43 Uhr. Für einen Online-Antrag.

Schneller wäre es gewesen, wenn ich zu einem der Sofioter Zollämter gegangen wäre und das vor Ort erledigt hätte, nur dass diese EORI-Nummer nach dem Wohnsitz ausgestellt wird, und ich bin immer noch in Montana gemeldet. Ja, aber in Montana gibt es kein Zollamt. Das nächste ist in Lom, etwa 40 km von Montana entfernt. Ich bin in Sofia. Stellt man den Antrag auf Papier, muss man zweimal dorthin fahren, was mir überhaupt nicht gefällt. Draußen liegt Schnee, es geht nur an einem Werktag und dazu all die anderen Schönheiten der staatlichen Verwaltung.

Bis hierhin glaube ich noch an elektronische Systeme und freue mich, dass ich für so eine Kleinigkeit nicht ans andere Ende Bulgariens fahren muss (und ein bisschen Geld spare, denn daher kam ja alles).

Zwei Tage vergehen, inzwischen ist Donnerstag, am Antrag tut sich nichts. Langsam beginne ich zu zweifeln. Ich rief beim zuständigen Service Desk des Zolls an, wo die Mitarbeiterin mir ganz höflich sagte, die Frist betrage bis zu 5 Werktage, und wenn es danach nicht geklappt habe, solle ich noch einmal anrufen. Gut, ich warte.

Tagsüber lese ich über diese begehrten Online-Anträge für EORI und welche Erfahrungen die Leute geteilt haben, und bei allen ist es dasselbe – wer Glück hat, hat Glück, wer nicht, wartet. Jemand erwähnte, er habe beim regionalen Zollamt nachgefragt, und dort habe man ihm gesagt, ein solcher Antrag sei bei ihnen nicht eingegangen. Hier beginnt mein Glaube an das elektronische System bedrohlich zu wanken.

Heute, am Freitag, dachte ich mir, es wäre gut zu prüfen, ob nicht auch ich einer der Leidtragenden des elektronischen Systems bin. Ich rufe beim Zollamt in Lom an. Eine freundliche Mitarbeiterin sagte mir, ich solle bei der zuständigen Abteilung anrufen. Sie nannte mir eine lokale Nummer für Lom ohne Vorwahl, und nach ein paar dummen Fragen, was das für eine Zahl sei, die sie mir da diktiert, verstand ich, dass es in Wirklichkeit eine andere Telefonnummer ist, die ich anrufen soll. Wir lächelten uns am Telefon über die Situation an, und ich rief die Nummer an, die sie mir gegeben hatte.

Dort nahm ein wieder höflicher Herr ab, und nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, sagte er, sie bearbeiten die Anträge, wenn sie ankommen, bei ihnen sei nichts eingegangen, und er werde nachsehen, was los ist und warum er nicht angekommen ist. Ich solle in 10 Minuten noch einmal anrufen. Ich freue mich, dass wenigstens die Haltung aller in der Kette menschlich war und es dieses sozialistische Anpampen und die arrogante Art nicht gab. Ich fing an zu warten, und nach nicht einmal 5 Minuten bekomme ich die Benachrichtigung über eine neue Mail mit dem Betreff: „Informationen zu Ihrer EORI-Registrierung!“ JUHU! Ich habe sie!

Ich schickte sie an DHL, und jetzt muss nur noch die Sendung freigegeben und von mir abgeholt werden. Juhu! (schon wieder)

Zum Schluss (oder TL;DR;) eine kompaktere Anleitung, wie man sich online eine dauerhafte EORI-Nummer besorgt:

  1. Besorgt euch eine elektronische Signatur, falls ihr keine habt.
  2. Geht auf: https://eori.customs.bg:8443/.
  3. Ladet euch http://ecustoms.bg/eportal/public/DocumentViewer?row_id=265 herunter, um zu sehen, wie die Felder auszufüllen sind. Die Informationen, die ihr braucht, stehen auf den letzten paar Seiten.
  4. Reicht den Antrag ein und unterschreibt ihn unbedingt. Ihr müsst eine Zeile mit folgendem Wert in der Spalte „Aktion“ sehen: EORI-REG-SIGN.
  5. Wartet einen Tag, oder, wenn ihr euch als Glückspilz fühlt, ruft bei der Regionalstelle des Zolls an, bei der ihr den Antrag eingereicht habt, und fragt taktvoll, ob er angekommen ist, weil das elektronische System euch irgendwelche Fehler anzeige. Erwähnt nicht, dass ihr es eilig habt.
  6. Nach kurzer Zeit bekommt ihr die begehrte EORI-Nummer.

Ein paar Anmerkungen:

  1. Die elektronische Signatur muss auf euren Namen lauten, da beim Ausfüllen des Formulars ziemlich viele Daten (Namen, ЕГН, Mail) aus der Signatur übernommen werden. D. h. mit der Signatur eines Freundes geht es nicht.

  2. Das System ist ziemlich seltsam in der Bedienung und manchmal ziemlich eigensinnig.

  3. Schickt das Formular erst ab und unterschreibt es, nachdem ihr alle Felder sorgfältig geprüft habt.

  4. Funktioniert erfolgreich mit Chrome auf dem Mac mit einer Signatur von Infonotary.

  5. Hinzugefügte Anmerkung aus dem Kommentar von Petya weiter unten:

    Wenn ich versuche, mit der elektronischen Signatur zu unterschreiben, beginnt der Download einer Datei (stampitls). Nach zwei Tagen Kampf mit dem HelpDesk des Zolls haben sie mir eine Anleitung geschickt, mit der es mir gelungen ist zu unterschreiben.
    Und noch etwas – wenn ihr eine Adresse in Sofia habt und die EORI-Nummer mit elektronischer Signatur beantragen wollt, wählt bei der Auswahl der Zolldienststelle ТМУ Столична – das geht in etwa einer Stunde, wenn ihr dagegen Летище София (Flughafen Sofia) wählt, kann es bis zu 5 Werktage dauern